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Der Herr der Ideen. Gedanken an unseren Verleger

Heute einen normalen Blogeintrag zu posten, käme uns merkwürdig vor. Denn am Montagabend ist unser Verleger Stefan Lübbe verstorben; er erlitt einen Herzinfarkt. Wir sind genauso erschüttert wie unsere Kolleginnen und Kollegen bei Bastei Lübbe und nehmen Anteil am Verlust seiner Familie.

In den rund zehn Jahren, in denen wir beide bei Bastei Lübbe arbeiten, hat sich der Verlag unter der Leitung von Stefan Lübbe sehr verändert. Von der Verlagsgruppe Lübbe, bei der wir beide den ersten Arbeitsvertrag unterschrieben – Stefan als Praktikant beim Goldenen Blatt, Anne als Assistentin im Heftromanlektorat –, wurden wir zur Bastei Lübbe GmbH und dann zur AG. Ein multimediales Medienhaus, das heute weltweit agiert, so wie der Verleger es wollte.

An Annes erstem Arbeitstag, dem 1. April 2004 begrüßte Stefan Lübbe sie mit Handschlag im Foyer.

„Steht der Verleger jeden Morgen da?“, wollte sie später von ihrer neuen Chefin wissen.

„Nein, das macht er nur, wenn jemand neu anfängt“, beruhigte diese Anne.

Zwei Jahre später setzten sie uns in ein gemeinsames Büro mit Ausblick auf den Verlegergarten – ein kleines Rasengrün, begrenzt von einigen hohen Bäumen und mit einem dekorativen Steinarrangement zum Flanieren. Von unserem Fenster aus konnten wir Stefan Lübbe oft im Garten beim Spazieren beobachten – mal mit Autoren, mal mit Vertretern der Presse, oft mit Handy am Ohr, wenn er mit Geschäftspartnern neue Pläne austüftelte. Zum Garten hatten Verlagsangestellte normalerweise keinen Zugang, und so empfanden wir es als besondere Ehre, dass wir uns mit unserem ersten Buch, „Generation Doof“, darin fotografieren lassen durften – für den Kölner Stadtanzeiger, Ortsausgabe Bergisches Land. Die Unterstützung und Wertschätzung Stefan Lübbes spürten wir als Autoren deutlich: Nicht nur, dass er stets gut gelaunt zu einem Gespräch aufgelegt war, wenn wir ihn trafen, er benannte sogar zwei Koi-Karpfen in seinem heimischen Gartenteich nach uns, wegen des Fisches auf dem Cover von „Generation Doof“. So nannte er uns auch seine „Goldfische“, wann immer er uns begegnete.

Dass der Verlag Jahre später nach Köln umzog, war Stefan Lübbe ein besonderes Anliegen, man spürte oft, wie stolz er auf den neuen Firmensitz war. Und es war die richtige Entscheidung – mehr Aufmerksamkeit, Autorenbesuche, Lesungen und Events, rauschende Partys zu besonders hohen Feiertagen – wie zum Beispiel Karneval. Und noch etwas: Das neue Verlagsgebäude in der Schanzenstraße konnte mit einem deutlich besseren Parkplatz aufwarten – vorm und im (!) Haus. Denn Stefan Lübbes Liebe zum Automobil war legendär: Er hatte einen Parkplatz direkt vor den großen Fenstern des Foyers – und im Foyer sind der rote Jaguar von Jerry Cotton zu besichtigen sowie zwei Motorräder.

Skurril finden Sie das? Mag sein. Wir sagen: Normal ist langweilig. Wir mochten unseren Verleger, so wie er war. Er war stets für eine gute Idee zu haben, mochte sie noch so ausgefallen sein. Dank seiner spontanen Art und Unterstützung konnte man in seinem Verlag so manch neuartiges Vorhaben immer schnell umsetzen, was woanders vielleicht nicht möglich gewesen wäre.

Stefan Lübbe hatte viele Ideen. Wenn er nicht am Montag mit nur 57 Jahren gestorben wäre, dann würde er sicherlich auch noch zahlreiche davon umsetzen. Auch am Erfolg unserer Bücher und unserem Werdegang hatte er maßgeblichen Anteil.

Stefan Lübbe, wir werden dich vermissen.

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